Graduiertenkolleg

"Psychische Potentiale

und ihre Grenzen im Alter"

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Erinnerungen an unsere Mentorin Margret M. Baltes*

Im Oktober 1998 lud uns Frau Baltes zum ersten Treffen des Graduiertenkollegs in die Nußbaumallee ein. Mit großem Engagement hatte sie dieses Projekt zusammen mit Kollegen anderer Disziplinen ins Leben gerufen, um dem wissenschaftlichem Nachwuchs in Medizin und Psychologie die Gelegenheit zu eröffnen, im interdisziplinären Rahmen ausgebildet zu werden und zu arbeiten. Bei unserem ersten Treffen konnten wir die Möglichkeiten, die sich uns durch Frau Baltesí Einsatz bieten sollten, nur erahnen: wunderbare Arbeitsbedingungen, anregende Lehrveranstaltungen und vor allem ein ständiger Austausch mit führenden Experten auf dem Gebiet der Alternsforschung.

Ihre Sorge galt aber nicht nur unserem erfolgreichen Einstieg in das neue Arbeitsleben, es war ihr auch daran gelegen, uns bei den anfänglichen Schwierigkeiten, die das Leben in dieser neuen Stadt mit sich brachte, zu unterstützen. Berlin, so erzählte sie uns, sei gewöhnungsbedürftig, das habe sie selbst erfahren, nachdem sie nach langem Aufenthalt in den Vereinigten Staaten zusammen mit Mann und Kindern in diese Stadt gezogen war. Der Wechsel sei auch ihr nicht ganz leicht gefallen, ihre Meinung von Berlin hätte sich aber, so versicherte sie uns, bald gebessert.

Einen ersten Eindruck von dem großen Netzwerk, in dem wir zukünftig eingebunden sein würden, bekamen wir auf der Eröffnungsveranstaltung, die im November 1998 stattfand. Es war Frau Baltes gelungen, namhafte Redner zu gewinnen. In ihrer eigenen Ansprache betonte sie ihre Neugier auf die Ideen und Vorstellungen, die wir in gemeinsame Diskussionen einbringen würden. Das Kolleg sei für sie ein Jungbrunnen, von dem sie selbst zu profitieren hoffe.

Bei unseren regelmäßigen Treffen überzeugte sie uns davon, daß sie es mit dieser Haltung ernst meinte. Schnell hatte sie eine angenehme und konzentrierte Arbeitsatmosphäre geschaffen. Rückblickend bleiben uns dabei die Begeisterung in Erinnerung, mit der sie versuchte, uns ihren Forschungsbereich näherzubringen, und die stille Autorität, mit der sie so manche Diskussion in die richtige Bahn zu lenken wußte. Durch die berühmten Memos, die bald die In-Boxes unserer E-Mail-Accounts füllten, stand sie in ständigem Kontakt mit uns. Mit jeder Neuigkeit aus der Nußbaumallee wurde uns bewußter, was für ein Privileg es ist, an ihrem Graduiertenkolleg teilnehmen zu können.

Zudem gibt es viele kleine Geschichten, an die wir uns erinnern: Frau Baltes, die für einen Doktoranden in Not in die Bresche sprang, der gemeinsame Sprint zum Taxistand am Steubenplatz, nachdem eine Studentin versehentlich ihre Autoschlüssel entwendet hatte und wir zu spät zum Kolloquium zu kommen drohten, Frau Baltes, immer elegant gekleidet und manchmal auch mit Tigerschal, die zu jedem Fest mit Prosecco, Brezeln und badischem Wein aufwartete, Blumen auf Schreibtischen verteilte und so jugendlich und herzlich lachen konnte.

Es ist sehr schade, daß sie nicht mehr dabei sein kann, um zu sehen, wie unsere Dissertationsprojekte sich langsam entwickeln und Form annehmen. Es wäre so wichtig gewesen, mit ihr unsere Ideen diskutieren zu können. Manch einer fragt sich auch, was sie wohl von all dem gehalten hätte, was da entsteht. Ab und zu rufen wir uns dann ihren Pragmatismus ins Gedächtnis und erinnern uns an ihr Motto: "Donít ruminate!"

Wir Kollegiaten verlieren mit Frau Baltes eine außergewöhnliche Mentorin. Wir sind ihr sehr dankbar für ihr Engagement und für die Zeit, die wir mit ihr verbringen konnten, auch wenn sie für einige von uns nur kurz war. Dennoch: Frau Baltes hat sich uns allen als eine starke, unabhängige und sehr disziplinierte Persönlichkeit eingeprägt. Sie wird uns in vieler Hinsicht ein Vorbild bleiben.
 


Die Mitglieder des Graduiertenkollegs "Psychische Potentiale und ihre Grenzen im Alter"
Eva Bemmerer, Daniela Jopp, Martina Junker,
Nina Knoll, Guido Kurtz, Ilka Lißmann, Nina Rieckmann,
Michaela Riediger, Ute Schulz, Tania Singer, & Florian Wertenauer

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